«Schulentwicklung im digitalen Wandel gestalten»

Schulentwicklung im digitalen Wandel umfasst weitaus mehr, als einfach ein  paar zusätzliche Computer in die Klassenzimmer zu stellen. Welche neuen Kompetenzen verlangt die Digitalisierung von Lehrpersonen, Schülerinnen und Schülern? Und welche Fragen müssen Schulleitungen beantworten, um die Herausforderung «Digitalisierung» erfolgreich bewältigen zu können?

Dass die Schulen von den Veränderungen durch die  Digitalisierung betroffen sind, ist keine Frage. So will etwa der Kanton St. Gallen 75 Millionen Schweizer Franken in die Digitalisierung der Bildung investieren. Auch in Basel-Stadt plant das Erziehungsdepartement Investitionsgelder bereitzustellen, um die ICT-Infrastruktur an den Schulen zu verbessern. Diese Investitionen sind dringend nötig. Die Debatte um die Infrastruktur verstellt aber oft den Blick auf die Frage, wie sich eine Schule verändern muss, damit diese Investitionen auch sinnvoll in der Schule wirken können.

Braucht es einen Mehrwert?
Nun kann man diese Aufgabe als einen einfachen Veränderungsprozess ansehen. Die nötige Infrastruktur muss beschafft werden, der Support bereitstehen und die Lehrpersonen müssen im Umgang mit der Infrastruktur geschult und von der Dringlichkeit der Digitalisierung der Schule überzeugt werden. In dieser Sichtweise scheinen die Lehrpersonen die grösste Hürde zu sein. Das kann mehrere Gründe haben. Für Lehrpersonen und Schulleitende, die sich bis jetzt wenig mit digitalen Medien auseinandergesetzt haben, bedeutet die Digitalisierung eine grosse Herausforderung. Geringe digitale Kompetenzen führen zu Unsicherheiten und Ängsten. Diese gilt es abzubauen. Daneben werden aber auch grundsätzliche didaktische Fragen über den Nutzen der Digitalisierung in der Schule gestellt. Häufig wird dabei die Frage nach dem Mehrwert gestellt. Wieso diese Frage letztlich überflüssig ist, hat Axel Krommer beschrieben. Seine wichtigsten Argumente sind, dass es keinen Grund gibt die Frage nach dem Mehrwert nur bei bestimmten «neuen» Medien zu stellen und nicht bei Medien, die schon lange im Unterricht integriert sind, oder bei Unterrichtsmethoden und verschiedenen Lehrpersonen. Ausserdem wird der Mehrwert häufig an bestehenden Zielen gemessen, sofern er überhaupt gemessen werden kann. Mit der Digitalisierung rücken aber neue Möglichkeiten und neue Ziele in den Blick. Es geht daher nicht einfach um eine Digitalisierung der Schule sondern um Lernen und Schule unter den Bedingungen der Digitalität.

Neue Impulse für bestehende Themen
Diese Blickweise macht den Veränderungsprozess noch einmal komplexer. Die Schulen, Schulleitungen und Lehrpersonen müssen eine Haltung zur Frage entwickeln, wie sich Schule durch die Digitalisierung verändert und wofür ihre Schule steht. Das ist mehr als die Anwendung von Tools, der Einsatz von Technik oder die Einführung von Informatikunterricht. Gleichzeitig bietet diese Sichtweise aber auch die Chance, an bestehende Themen der Schule anzuknüpfen. Kompetenzorientierung, Integration und Individualisierung sind nur drei Schlagworte, die die Schulen aktuell stark beschäftigen und die unter dem Aspekt der Digitalisierung neue Impulse bekommen. So zeigt etwa Wolfgang Beywl in seinem Blog über die Stonefields-Schule in Neuseeland, wie individualisierter Unterricht und das Sichtbarmachen des Lernens durch die Digitalisierung möglich wird.

Für jede einzelne Schule akzentuiert sich unter den Bedingungen der Digitalität die Frage, wofür sie genau steht:

  • Welche Schwerpunkte haben wir in unserer Schule?
  • Kommen durch den digitalen Wandel neue Schwerpunkte dazu?
  • Können wir unsere bestehenden Ziele durch Digitalisierungsprozesse besser erreichen?
  • Müssen unsere Schülerinnen und Schüler andere Kompetenzen durch die Digitalisierung erwerben?
  • Wie arbeiten wir innerhalb der Schule zusammen?
  • Wie kommunizieren wir nach innen und aussen?

Diese und weitere Fragen sind die Basis für eine nachhaltige Schulentwicklung, die dem digitalen Wandel gerecht wird. Je nach Schwerpunkt benötigen Lehrpersonen und Schulleitungen für diesen Prozess unterschiedliche Kompetenzen.

Wer braucht welche Kompetenzen?
Das Thema Digitalisierung ist derart breit und facettenreich, dass die digitalen Kompetenzen, die in der Schule benötigt werden, genauso vielfältig sind. Sie umfassen berufliche Kompetenzen der Lehrpersonen, etwa, wie zusammengearbeitet wird und wie man sich weiterentwickelt; sie umfassen ebenfalls pädagogisch-didaktische Kompetenzen der Lehrpersonen, z. B., wie digitale Ressourcen im Unterricht eingesetzt werden, um Individualisierung und kollaboratives Lernen zu fördern. Die Europäische Kommission hat einen Rahmen für die Kompetenzen, die Lehrpersonen im digitalen Zeitalter benötigen, entwickelt, den DigCompEdu. Zentral sind auch die digitalen Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler: Was brauchen sie, um in einer digitalen Welt bestehen und diese gestalten zu können? . Das Weltwirtschaftsforum WEF hat bereits 2016 acht Fähigkeiten zusammengestellt, die Kinder in Zukunft benötigen werden. Die Themen reichen von kritischem Denken über Sicherheitsfragen bis zur Meinungsfreiheit.

Und letztlich verlangt die Digitalisierung auch von Leitungspersonen neue Kompetenzen und Rollen. Wie verändern sich Zusammenarbeit und Schulkultur? Wie kann die Schule ihre Schwerpunkt im Feld Digitalisierung setzen? Wie können Schulleitungen ihr Kollegium in diesem Prozess unterstützen? Diesen Fragen gehen wir an der 9. Jahrestagung des Netzwerks Schulentwicklung, die sich am 21. Februar 2019 dem Thema «Schulentwicklung im digitalen Wandel gestalten» widmet. Antworten auf diese Frage liefern wir hier – nach der Tagung.

 

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