Unterricht in Zeiten von Corona, Quarantäne und Dixie D’Amelio

Das eduBS-Book hat das Arbeiten im Hybridunterricht vereinfacht.

Es ist Mittwochmorgen. Von den 20 Schülerinnen und Schülern der 6. Klasse sind 13 anwesend. Die anderen sind in Isolation oder Quarantäne. Der Beitrag bietet Einblick in den Unterrichtsalltag von Florian Dünki, Lehrer an der Primarschule St. Johann und Fachexperte am Pädagogischen Zentrum PZ.BS.

In Absprache mit unserem Musiklehrer arbeitet unsere Klasse an «Vorträgen» über Musiker:innen oder Lieblingsbands. Wobei wir das Konzept «Vorträge» ziemlich schnell über den Haufen geworfen haben. Vorgegeben ist mittlerweile nur noch der Inhalt. Eine Musikerin oder eine Band sollen in irgendeiner Form vorgestellt werden. Die Kinder arbeiten in Zweierteams. Eines davon programmiert ein Spiel mit Scratch. Ziel des Spiels ist es, Aufgaben zu lösen, um an Antworten über Dixie D’Amelio zu kommen. Ich freue mich auf das Spiel, dann weiss ich auch endlich wer das ist.

Wie sich die Schülerinnen und Schüler organisieren, war ihnen selbst überlassen. Das Scratch-Team organisiert sich in einem privaten Teams-Kanal, den ich ihnen eingerichtet habe. Andere Teams organisieren sich über OneNote, andere wiederum Teilen sich über O365 ihre Notizen oder Präsentationen.

Mittlerweile reichen die Projektideen von vertonten Präsentationen über Spiele, Rap-Songs, Multimedia-Poster bis hin zu Nachrichtenbeiträgen.

Was das mit hybridem Unterricht zu tun hat? Nichts und alles.

Nichts in dem Sinne, dass wir nie die Absicht hatten, unsere Sequenzen so zu planen, dass wir sie auch gut als hybriden Unterricht durchführen können und alles, weil die Projekte der Schülerinnen und Schüler asynchrone, ortsungebundene Zusammenarbeit ermöglichen. Dies soll keine Werbebotschaft für digitale Medien im Unterricht sein. Im Moment bin ich jedoch richtig froh, haben wir diese Möglichkeit. Zum Glück dürfen wir in der 6. Klasse von der 1:1 Ausstattung mit eduBS-Books profitieren.

Was sich für uns in der Zeit des Hybridunterrichts bewährt hat, sind eher offene Lernsettings, in welchen die Schülerinnen und Schüler sich ihre Ziele und Wege setzen, ihre Aufträge kennen und die Gelegenheit haben, selbständig zu arbeiten. Diese Arbeitsweise eignet sich für hybriden Unterricht, weil sie auf nur sehr wenige Inputs der Lehrperson angewiesen ist. Sobald der Auftrag geklärt ist, Materialien und Hilfsmittel zur Verfügung stehen, fallen klassische frontale Inputsequenzen weg. Für die Fächer Musik und NMG arbeiten wir mit einem OneNote-Klassennotizbuch, einer Art digitalem Notizbuch. Die Schülerinnen und Schüler haben dadurch auch von zuhause aus Zugriff auf alle relevanten Inhalte und können diese nach ihren Bedürfnissen ergänzen und bearbeiten.

Vom Informationsgeber zum Lernbegleiter

Diese Voraussetzungen geben mir die Möglichkeit die Rolle des Informationsgebers und -bereitstellers zu verlassen. Stattdessen führe ich Gespräche mit einzelnen Kindern oder kleineren Gruppen und begleite sie auf ihrem Lernweg. Solche Gespräche lassen sich dann auch gut per Teams oder Telefon führen.

Auch Gruppenarbeiten sind im Hybridunterricht von Vorteil. Die Schülerinnen und Schüler halten sich erfahrungsgemäss gegenseitig richtig gut auf dem Laufenden. Dieser Austausch kann wiederum per Telefon, Teams oder vor Ort stattfinden. Grundsätzlich gilt auch hier: Ortsungebundenheit und die Möglichkeit asynchron zu arbeiten erleichtern die Zusammenarbeit im Fall einer Isolation.

Weiterhin gilt, was wir aus dem Fernunterricht gelernt haben: Sowohl für die Schülerinnen und Schüler als auch für die Lehrpersonen ist es gut, Kontakt zu halten. Nicht des Schulstoffs wegen, sondern zur Beziehungspflege.

Wie viel Stoff ist möglich? Und wie viele Noten?

Und wo wir nun beim Schulstoff sind. Mehr denn je hat in den letzten zwei Jahren gegolten: Es liegt drin, was drin liegt. Auch uns lastet der Notendruck der 6. Klassen auf den Schultern. Diesen Druck versuchen wir so wenig wie möglich auf die Schüler:innen abzuwälzen.Kinder in Quarantäne sollen die Möglichkeit bekommen, am Schulstoff und wenn möglich im Austausch mit den Klassenkolleg:innen mitzuarbeiten. In dem Umfang, wie es Gegebenheiten zulassen. Und wenn die Schüler:innen wieder in der Schule sind, wägen wir in einem Gespräch mit dem Kind ab, was nachgeholt werden soll und was ausgelassen wird.

Somit müssen wir für unsere Klasse Möglichkeiten finden, um trotz weniger Zeit und abgearbeiteten Kompetenzen sinnvolle Beurteilungsmöglichkeiten zu schaffen. Eine Möglichkeit ist, dass aus einer summativen Lernzielkontrolle zwei entstehen. Das könnte dann so aussehen, dass ein Beurteilungsanlass zur Sequenz Steinzeit, die darauf abzielt, die damalige mit der heutigen Lebensweise zu vergleichen, Quellen einzuteilen und zu charakterisieren in zwei einzelne Teile aufgeteilt wird. Eine Schriftliche Lernzielkontrolle zum Vergleich der Lebensweisen und ein Poster zu Quellen der Steinzeit.

Die letzten zwei Jahre waren für uns Lehrpersonen, aber auch für die Schülerinnen und Schüler ein Lern- und Experimentierfeld. Wir haben dieses genutzt, um die digitalen Werkzeuge, die uns zur Verfügung gestellt wurden in den Unterricht einzubauen. Das hat in einzelnen Lektionen viele Nerven gekostet, nicht nur bei uns Lehrpersonen, sondern auch bei den Lernenden.

Aber wir haben alle viel dazugelernt. Ich zum Beispiel Folgendes: Dixie D’Amelio ist zwanzig Jahre alt, wohnt in den USA und hat auf TikTok 57 Millionen Follower. Sie nimmt Tanzvideos auf und ist mittlerweile auch als Schauspielerin und Sängerin tätig.

Autor: Florian_Dünki

Mittelstufenlehrperson an der Primarschule St. Johann Fachexperte MI und NMG für die Primarstufe am PZ.BS

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