NMG-Unterricht aus der Ferne

Pflanzen beobachten geht auch gut zu Hause.

Das Fernlernen tritt nach den Frühjahrferien in eine nächste Phase ein. Der für das letzte Quartal vorgesehene Unterricht muss an die neuen Gegebenheiten angepasst werden und neue Ideen sind gefragt, um die Lehrziele umsetzen zu können. Beim NMG-Fernlernen gelten grundsätzliche Prinzipien des Fernlernens, es gibt aber auch fachspezifische Besonderheiten, die zu berücksichtigen sind. Melanie Thönen, Fachexpertin NMG am PZ.BS, listet Punkte auf, die wichtig sind für gute Aufträge fürs Forschen und Experimentieren im Fernlern-Modus. Ausserdem weist sie auf nützliche Links und praktische Beispiele von Basler Lehrerinnen für den NMG-Fernunterricht auf der Primarstufe hin.

Das handelnde, forschend-entdeckende Lernen im Fernunterricht

Das forschend-entdeckende Lernen bietet Schülerinnen und Schülern sehr gute Möglichkeiten, auch ausserhalb des Schulzimmers oder zu Hause aktiv und handelnd tätig zu sein. Ein forschend-entdeckendendes Unterrichtsvorhaben ermöglicht ihnen, eigene Ideen einzubringen, kreativ zu sein und sich somit mitbestimmend und unterrichtsgestaltend zu beteiligen, zwei Kriterien, die für gelungenes Fernlernen sehr wichtig sind. Auch im Fernunterricht können angeleitete Versuche oder Experimente stattfinden. Es gilt dabei aber einige wichtige Faktoren zu bedenken, damit das Experimentieren gewinnbringend für das Lernen wird und vor Ort gelingen kann. Untenstehende Überlegungen und Fragen können, ähnlich einer Checkliste, helfen, Aufträge fürs Forschen und Experimentieren im Fernlern-Modus auszuarbeiten.

1. Zeit

Zeit für Experimente ist doppelt wichtig: Einerseits auf der Seite der Lehrperson, andererseits auf der Seite des Kindes. Der zeitliche Aufwand ist gross um einen Auftrag auf die neue Situation auszurichten, Anleitungen zu formulieren, in neuen Formaten zu präsentieren, Kinder im Experiment zu begleiten, den Auftrag einzufordern und in passender Form eine Rückmeldung zu geben. Besonders Rückmeldungen brauchen jetzt mehr Zeit und sind zugleich besonders wichtig.

Auch auf der Lern-Seite braucht es genügend Zeit: Das Kind soll sich mit dem Phänomen, das es beobachtet, auch selbständig beschäftigen und allenfalls weiter tüfteln können. Es benötigt Zeit, den Auftrag auszuführen und auch um Rückfragen an die Lehrperson stellen zu können.

2. Situation vor Ort

  • Wie kann das Forschungsvorhaben/Experiment an die individuelle Situation der Kinder und ihrer Familien und ihre momentanen Möglichkeiten angepasst werden?
  • Welche Materialien sind ohne zusätzlichen Einkauf verfügbar?
  • Wie können die Versuche wenn nötig  individuell umgesetzt und gestaltet werden?
  • Wie können Tätigkeiten draussen erfolgen? (Bestimmungen BAG, Wohnsituation, familiäre Bedingungen, Verantwortung der Eltern)
  • Welche Alternativen zu Exkursionen/Besuchen von ausserschulischen Lernorten können angeboten werden (z. B. Filme, Aufnahmen von Webcams)?

3. Kinder beteiligen. Und Eltern?

  • Wie kann Raum geschaffen werden, damit Kinder individuell (selbständig?), aktiv und partizipativ an diesem Arbeitsauftrag arbeiten können?
  • Was braucht es, damit die Kinder den Versuch selbständig durchführen können?
  • Können, insbesondere bei jüngeren Kindern, die Eltern miteinbezogen werden? Wie können die Eltern rechtzeitig instruiert werden, damit sie die Kinder unterstützen können oder sie Gelegenheit haben, sich zu erkundigen, wenn sie etwas nicht verstehen oder auf Probleme stossen?

4. Kommunikation

  • Wie können Kinder an die neue Arbeitsform herangeführt werden, wenn sie diese noch nicht kennen?
  • Wie gelangen die Anweisungen und Erklärungen zu den Kindern? Analog, digital, Arbeitsblatt, Video, mit Material oder ohne?
  • Mit welchen Mitteln, zu welchem Zeitpunkt, mit welchem Ziel, mit welcher Struktur können sich die Kinder untereinander austauschen?
  • Wie gelangen die Resultate zur Lehrperson oder zu den anderen Kindern? (analog, digital – was sollte bei der Auftragserteilung schon mitgegeben werden, damit dieser Austausch funktioniert?
  • Welche Art von Feedback kann zu den einzelnen Arbeitsresultaten (Zwischenresultate, Endresultate) gegeben werden? Wer gibt Feedback? Lehrperson? Kinder aus der Klasse?
  • Wie kann Verbindlichkeit erzeugt werden? Feedback ist eine wirksame Form der Belohnung und signalisiert, dass dem einzelnen Kind und seiner Leistung Beachtung geschenkt wird.

Praktische Beispiele

Die beiden NMG-Fachexpertinnen Melanie Thönen und Alexandra Binnenkade haben zusammen mit Basler Lehrerinnen konkrete Beispiele für den NMG-Fernunterricht im 1. und 2. Zyklus ausgearbeitet. Diese sind verfügbar auf der E-Learning-Plattform ILIAS (mit eduBS-Login).

Ernährung (1. und 2. Zyklus)
Energie (2. Klasse, auch adaptierbar für 1. Klasse)
Wohnung (1. und 2. Zyklus)
Mittelalter (Link folgt)

Nützliche Links für den NMG-Unterricht

Lernen trotz Corona – Plattform der PH Schwyz
Umfangreiche Sammlung an Hilfestellungen und Unterstützungsmöglichkeiten

Sonderlizenzen LMVZ – Online Kommentar NaTech 1-6
Freier Zugang zum digitalen Teil des Lehrmittels Natech. Der Schulverlag plus stellt zudem zwei Lernarrangements für den Fernunterricht zur Verfügung: «Ich bin ich, du bist du (NaTech 1|2 – Identität ) und «Woher kommt die Energie?» (NaTech 3|4 und 5|6)

Storchenforscherinnen und Storchenforscher (Zyklus 2 und 3)
Alles zum Projekt in unserem Blogeintrag

GLOBE (ab Zyklus 3)
Ein internationales Bildungsprogramm. Bietet viele digitale Angebote und Forschungsaktivitäten, etwa Anleitungen zum Beobachten von Jahreszeiten, Wolken oder Lichtverschmutzung. Zu Globe

Filme und Material von éducation21
Die Stiftung éducation21 macht ihr Filmstreaming-Portal bis zum 15. Juli 2020 gratis verfügbar. Die Filme thematisieren verschiedene Aspekte von Bildung für Nachhaltige Entwicklung und sind angepasst an verschiedene Schulstufen.

Zoo Basel
Informationen zu Tieren und aktuelle Highlights aus dem «Zolli», Unterrichtsmaterial vom Bastelbogen bis zum Modellbau eines Tiergeheges gibt es in der Zolli-Werkstatt.

Ein Virtuelles Labor (Zyklus 2)
Dr. Blubber lädt zum Experimentieren in sein virtuelles Labor.

Bodenreise – unterirdisch unterwegs (3.-6. Klasse)
Ein webbasiertes Lernangebot, mit das Thema Boden spielerisch entdeckt werden kann.

Luftlabor – das Lernangebot zur Luftqualität (Zyklus 3)
Schülerinnen und Schüler werden dank einer intensiven Auseinandersetzung mit dem Thema Luft zu Botschafterinnen und Botschaftern für eine bessere Luftqualität. Sie lernen, was Luftqualität ausmacht und wie diese aktiv beeinflusst werden kann. Der handlungsorientierte Zugang zum Thema wird durch Experimente und Lernjournale ermöglicht. Zum Luftlabor

Hilfreiche Apps und Plattformen

  • Google Expeditionen: ein interaktives Lernerlebnis, für spannende VR-Ausflüge und interessante AR-Objekte
  • iBlumen: Pflanzen-Bestimmungsapp
  • PlantNet: Pflanzen-Bestimmungsapp
  • Lupe: Eine nützliche Anwendung, mit der das Telefon in eine Lupe verwandelt wird.
  • Stop Motion-Studio: mit der Stop Motion-Technik lassen sich dynamische Prozesse gut nachvollziehen
  • Filmora Go: Videoeditor- App für Android
  • www.regionatur.ch Umfangreiche Plattform mit viel Kartenmaterial zur Natur in der Region (auch auf dem eduBS-Desktop installiert)
  • Mit Learning-Apps eigene Übungen erstellen und finden

Mögliche Unterrichtsszenarien

Lern- und Erklärvideos erstellen
Tricks wie ein Handyvideo besser gelingt
Lenrvideos erstellen: Tipps der PH Luzern

Tierportäts erstellen / Haustiere filmen
In der Sendung «Jugend, Talent und wilde Tiere» haben Kinder und Jugendliche ihr Talent als Tierfilmer/in testen können. Das Filmen eines Tieres muss an die momentane Situation angepasst werden (z. B. Haustier).

Dynamische Prozesse darstellen
Zum Beispiel Verdauungsprozesse mit Hilfe von StopMotionTechnik darstellen (mit der StopMotionStudio App).

Corona als Thema

Unterlagen zu Corona als Unterrichtsthema, speziell auch für jüngere Kinder

Hintergrundbericht über die Erforschung der Coronaviren durch eine chinesische Virologin

How does SARS-Cov2 spread? Audiounterstützte Präsentation (in Englisch) von drei Wissenschaftler/innen über die Verbreitung des Corona-Virus

Autor: pz.bs

Das Pädagogische Zentrum PZ.BS unterstützt Lehrpersonen, Schulleitungen und weitere Mitarbeitende der Basler Schulen mit Weiterbildung, Beratung, Infrastruktur und vielem mehr. Es ist Teil des Erziehungsdepartements Basel-Stadt.

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