Schulen und Digitalisierung

Welche Haltung soll die Schule zur Digitalisierung entwickeln? Die Bandbreite der Meinungen reicht von der Schule als Rückzugsort, in dem die Kinder und Jugendlichen das Denken ohne Ablenkung durch Technologie lernen sollen, bis zum radikalen Umbau des Bildungssystems. Nachfolgend ein paar Informationsquellen, die Lehrpersonen und Schulleitenden dabei helfen sollen, sich ein Bild über Chancen und Risiken der Digitalisierung in der Schule zu machen.

Betrachtet man die Diskussionen über Schulen in der digitalen Welt, fallen die sehr unterschiedlichen Flughöhen auf: Die einen reden vom Klassenzimmer und wie sich der Unterricht verändert, wenn mehr technische Geräte zur Verfügung stehen. Die anderen reden von gesellschaftlicher Transformation und Kompetenzen, die auf dem Arbeitsmarkt der Zukunft gefragt sein werden. Ein Überblick:

Die Abstrakten mit Blick auf die Schweiz
Auf einer ziemlich abstrakten, volkswirtschaftlichen und gesellschaftspolitischen Ebene beschäftigt sich der Bund in seiner Strategie «Digitale Schweiz» mit den Auswirkungen der DigitalTitelbild Digitale Schweizisierung auf die Gesellschaft.  Damit der Strukturwandel aktiv gestaltet werden kann, spielt Aus- und Weiterbildung eine wichtige Rolle. Auch der LCH hat sich mit dem Thema auseinandergesetzt und ein fünfseitiges Positionspapier zu Digitalen Technologien in der Schule herausgegeben. Die Autoren stellen den Lehr- und Lernprozess ins Zentrum und beschränken die Rolle der digitalen Technologien klar auf jene als Hilfsmittel oder zur Methodenerweiterung. Gefordert werden auch hier Aus- und Weiterbildungen für Lehrpersonen.

Die Abstrakten auf internationaler Ebene
Wer sich auf internationaler Ebene einen Überblick verschaffen will, findet im Horizon Report eine gute Quelle. Dieser prognostiziert seit 2002 Entwicklungen und Trends, die auf Schulen, Hochschulen und Bibliotheken zukommen. Seit der Ausgabe 2016 werden nicht nur technologische Entwicklungen sondern auch Treiber und Barrieren für die Umsetzung an den Schulen dokumentiert. Neben den Prognosen finden sich aber auch gute Beispiele von konkreten Umsetzungen. Den Horizon Report 2017 für die Schulen gibt es in englischer Sprache, den Horizon Report 2017 für Hochschulen auch in deutscher Sprache.

Titelbild Digital Competence for EducatorsDigitalisierung ermöglicht andere Lernformen, fordert und fördert neue Kompetenzen und erweitert Formen der Zusammenarbeit. Die Kompetenzen, die Lehrpersonen für diesen Umbau brauchen, beschreibt das «European Framework for the Digital Competence of Educators» (nur auf Englisch verfügbar). In ihm werden die Kompetenzen der Lehrpersonen in fünf Bereiche eingeteilt. Im Zentrum stehen die pädagogischen Kompetenzen der Lehrpersonen, die wiederum in die Nutzung von digitalen Ressourcen, in digitale Assessment-Strategien, in Lehren und Lernen und in die Befähigung der Schülerinnen und Schüler unterteilt sind.

Die Umsetzung in Schweizer Schulen
Titelbild SchulpraxisDass sich die Welt verändert ist unbestritten. Doch was genau kommt neben technischen Geräten auf die Schulen zu? Wie lassen sich die Möglichkeiten der Digitalisierung sinnvoll Nutzen und die Schattenseiten thematisieren?  Ein Sonderheft der Zeitschrift «Schulpraxis» des Berufsverbands «Bildung Bern» bietet Anregungen, wie Schulen mit der Digitalisierung umgehen und ihre Rolle klären können.

Diese Arbeit kann nicht im stillen Kämmerlein erfolgen sondern verlangt einen Schulentwicklungsprozess, der auf die Bedürfnisse und Gegebenheiten der einzelnen Schule zugeschnitten ist. Hier liefert z. B. der Kanton Zürich mit seinem Medien- und ICT Konzept eine Vorlage, wie man den Prozess der Digitalisierung in der Schule strukturieren kann und welche Fragen man dabei klären sollte.

Erste Antworten auf wissenschaftliche Fragen
Titebild Bertelsmann StiftungEine grosse Streitfrage bleibt, ob die Digitalisierung den Unterricht wirklich besser macht. Die Bertelsmann Stiftung geht im Projekt «Digitalisierung der Bildung» der Frage nach, wann und wie digitale Lernmedien wirklich nützlich sind – von der Schule bis zum Lebenslangen Lernen. Im Rahmen des Projekts ist eine Studie zur Wirkung von digitalen Medien im Unterricht erschienen sowie eine zum Thema «Schule Digital», die auf die Infrastrukturausstattung, die Aus- und Weiterbildungspraxis sowie auf die konzeptionellen Einbindung digitaler Bildungspraktiken in den Schulalltag in weiterführenden Schulen in Deutschland blickt.

Die oben genannten Veröffentlichungen geben einen guten Überblick über das Thema. Wir freuen uns über Hinweise auf weitere nützliche Quellen im Kommentarfeld!

Christoph Gütersloh und Stephanie Lori

Autor: pz.bs

Das Pädagogische Zentrum PZ.BS unterstützt Lehrpersonen, Schulleitungen und weitere Mitarbeitende der Basler Schulen mit Weiterbildung, technischer Infrastruktur und vielem mehr. Es ist Teil des Erziehungsdepartements Basel-Stadt.

Ein Gedanke zu „Schulen und Digitalisierung“

  1. Das Konzept der EU-Kommission halte ich für einen großen Schritt in die richtige Richtung – wenn es bald in der Lehrerbildung vor Ort ankommt. An der Grafik auf S. 8 (Karte mit den Lehrenden-Kompetenzen) wird deutlich, dass es um weit mehr geht als den bloßen Ersatz der Unterrichtsmittel bzw. die Ergänzung durch digitale Mittel. Aber nicht nur die Lehrer müssen neue Fähigkeiten erwerben, sondern die Schule muss sich um diese Fähigkeiten herum umstrukturieren. Denn diese Fähigkeiten sind nichts, wenn die Lehrer sie in den Schulen nicht entwickeln und anwenden können.

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